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Die Entwicklung der Mobiltelefonie

Die Entwicklung der Mobiltelefonie

Einen Alltag ohne Smartphone kann sich heute niemand mehr vorstellen. Telefonieren, SMS versenden, Mails checken und shoppen: alles wird nebenbei und unterwegs erledigt. Doch was heute so selbstverständlich ist, hat einen langen Weg hinter sich. Hätten Sie gedacht, dass der erste Prototyp eines Mobiltelefons bereits aus dem Jahr 1973 stammt?

Ein Handy für 4000 US-Dollar

Damals entwickelte der Ingenieur Martin Cooper die erste Version eines Handys im Auftrag von Motorola und ließ sich seine Idee am 17. Januar 1973 patentieren. Übrigens: Den ersten Testanruf mit dem neuen Gerät muss Cooper ganz besonders genossen haben, denn er ging an den erbitterten Konkurrenten Bell Labs. Bis zum ersten kommerziellen Mobiltelefon brauchte es dann allerdings noch weitere 10 Jahre Forschung, Entwicklung und Tüftelei. 1983 war es dann so weit: Das erste kommerzielle Mobiltelefon kam auf den Markt. Mit einem stolzen Preis von ca. 4000 US-Dollar und einem Gewicht von 800 Gramm war das Handy allerdings eher ein Status Symbol für wohlhabende Geschäftsleute als ein praktisches Gerät für den Massenmarkt.

Der Siegeszug des Short Message Service beginnt

Es folgten weitere technische Fortschritte wie die ersten GSM-fähigen Mobiltelefone der Welt. Die 1992 vorgestellten GSM- Mobiltelefone Motorola International 3200 und Nokia 1011 wurden jedoch schon bald durch weitere Innovationen und Entwicklungen überboten. Ganz vorn dabei das Siemens S 3, mit dem ein völlig neues Feld eröffnet wurde, das die digitale Kommunikation der Menschheit maßgeblich beeinflussen sollte: Die SMS. Ingenieur Neil Papworth entwickelte den Short Message Service, der mit dem Siemens S 3 zum ersten Mal alltagstauglich genutzt werden konnte.

Erstes Smartphone 1993

1993, weitere 10 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Handys, wurde mit dem Bell South/IBM das Gerät vorgestellt, das heute als das erste Smartphone der Welt gilt. Es war schon damals mit der neuen Technologie eines Touchscreens ausgerüstet und es verfügte über diverse Terminkalenderfunktionen. Auch Faxe und Emails konnten mit dem Gerät schon versendet werden. Der Verkaufspreis lag bei ca. 900 US-Dollar.
Der finnische Hersteller Nokia war es schließlich, der mit seinen kreativen Ideen und innovativen Mobiltelefonen erstmals ab 1998 den Massenmarkt erschließen konnte. Die verkaufsstarken Mobiltelefone 5110 und 3210 eroberten alle gesellschaftlichen Schichten und integrierten das Handy in unseren Alltag.

Ein neuer Markt tut sich auf

Der Siegeszug der Mobiltelefonie nahm daraufhin schnell Fahrt auf. Mit dem Inter@ctive Pager von Blackberry wurde der Weg für den Einstieg des Unternehmens in den Smartphonemarkt geebnet. Die Grenzen zwischen Telefon und PC sollten im Laufe der Jahre immer weiter verschmelzen. Auch technisch machten die Mobiltelefone immer mehr Fortschritte. 2002 wurde mit dem Motorola A830 das erste UMTS-Handy in den europäischen Markt eingeführt.
Langsam entwickelten sich neben dem Mobilfunkmarkt Sekundärmarkte für Handyschalen Klingeltöne und Handyspiele. Die Nokia Modelle erlaubten es erstmals, die Handyschalen zu wechseln, sodass die Benutzer ihrer Individualität freien Ausdruck verleihen konnten. Auch die ersten Polyphonen Klingeltöne im Jahre 2002 sangen schon ein deutliches Lied von dem, was bald an Klingelton-Kuriositäten noch folgen sollte. Das Handy war auf dem Weg vom rein funktionalen Telefon hin zum individuellen Lieblingsstück mit Kultstatus, das man immer dabei hat. So ist es nur logisch, dass der Markt immer kleinere und leichtere Handys forderte, die angenehm in der Hand-oder Hosentasche liegen. Das Motorola Razar V3 war im Jahre 2004 eines der dünnsten, leichtesten und erfolgreichsten Modelle seiner Zeit. Es wurden über 130 Millionen Exemplare abgesetzt.

Google und der crazy frog

Im Sommer 2005 kaufte Google das damals unbekannte Unternehmen Android. Dies war ein sehr wichtiger Schachzug von Google, um später den Mobilfunkmarkt gehörig aufzumischen. Im selben Jahr erreichte der Klingelton-Wahnsinn seinen Höhepunkt. Der Klingelton Crazy Frog erklomm in Großbritannien die Spitze der Single-Charts und dürfte bis heute der bekannteste Vertreter kurioser Klingeltöne gewesen sein. Im Jahr zuvor waren allein in Deutschland Klingeltöne im Wert von 183 Million Euro gekauft worden.
Neben solchen Spielereien wurden aber auch technische Zusatzfunktionen im Handymarkt immer bedeutender für die Kaufentscheidung der Konsumenten. So war zum Beispiel das LG KG im Jahr 2006 das erste Mobiltelefon mit einer integrierten 5 Mega-Pixel Foto-Kamera.

Apple betritt die Bühne

Einer der größten Momente in der Mobilfunkentwicklung war jedoch 2007 der Markteintritt von Apple. Das damals noch von Steve Jobs geführte Unternehmen hatte im Vorfeld schon durch Innovationen wie den iPod für Furore gesorgt. Die Entwicklung des iPhone schloss sich sehr erfolgreich in der Geschichte Apples an. Das neue Smartphone beeindruckte vor allem durch ein ausgeklügeltes Design, die leichte Bedienung mit Hilfe des Touchscreens und vor allem durch die Integration diverser Apps. Ein neuer König unter den Smartphones war geboren und schon das erste iPhone verkaufte sich extrem erfolgreich.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Mit dem Markteintritt des Samsung Galaxy wurde 2010 allerdings stark am iPhone-Thron gerüttelt. Das Samsung Galaxy, ausgerüstet mit dem Google-Betriebssystem Android, stellt bis heute für das iPhone eine ernstzunehmende Konkurrenz dar.
Nokia, dem einstigen Pionier auf dem Mobiltelefonmarkt für die Massen, gelang es nicht, mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten. Das Nokia Windows Phone konnte sich bis heute noch nicht wirklich etablieren. Stattdessen dominieren Apple und Samsung heute den Mobilfunkmarkt und schreiten mit großen Schritten und prägenden Innovationen voran. So stellte Samsung jüngst die Smartwatch Gear vor und Apples iPhone ging in die 5. Runde. Microsoft hat mittlerweile Nokias Smartphone Geschäft übernommen und Blackberry macht aktuell eher Schlagzeilen durch die Suche nach einem Käufer und Spekulationen über die Zerschlagung des Unternehmens als durch innovative Smartphone Modelle.

Was bringt die Zukunft?

Internet auf jedem Fleck der Erde, genau das wollen Google und zwei Milliardäre mit Hilfe von 4.025 Satelliten verwirklichen. Durch das Netz aus dem All soll auch an den verlassensten und unbewohntesten Stellen dieser Erde der Internetempfang und Telefonie mit dem Handy möglich sein. Gleichzeit erwarten wir das 5G Netz. Autonome Fahrzeuge oder virtuelle Fernoperationen könnten mit diesem superschnellen Netz Wirklichkeit werden. Mit CarPlay von Apple soll dann auch das Auto mit dem Smartphone ferngesteuert werden können. Den Motor starten, den Sitz verstellen oder die Musik auswählen sind erst der Anfang, die Entwicklungen in diesem Bereich haben noch lange nicht ihren Zenit erreicht und es wird weiter spannend bleiben.